Geschichte des TSH

1891

Dr. Ludwig Lemme, Prof. für systematische Theologie, richtet eine Denkschrift zur Errichtung eines Theologenkonvikts an seine königliche Hoheit, den Großherzog von Baden. Dieser Antrag aus kirchlich-positivem Kreis scheitert an der liberalen Kammermehrheit.

1917

Gründung des Vereins "Theologisches Studienhaus in Heidelberg e.V." anlässlich des 70. Geburtstages von Dr. Ludwig Lemme.

1918

Mit Hilfe von großzügigen Spenden kauft der Verein das Anwesen Neuenheimer Landstr.34 ohne landeskirchliche Unterstützung. Dieses Haus sollte "allen Theologie Studierenden offen stehen ohne Unterschied der Richtung".
Zum WS 18/19 ziehen erstmals 6 Theologiestudenten in das Haus ein, in dem zunächst nur die Räume im Erd- und Dachgeschoss zu Verfügung stehen; die Einkünfte aus den Vermietungen der mittleren Stockwerke werden zur Finanzierung des Baus und des kostenlosen Frühstücks benötigt. Erst in den folgenden Semestern kann die Zahl auf 12 bzw. 14 Studierende erhöht werden. Beides: günstiges Wohnen und freies Frühstück sind eine entscheidende Hilfe für Studierende der Theologie in den schweren Jahren nach dem 1. Weltkrieg.

1927

Da der Betriebsfonds der Inflation zum Opfer gefallen ist, ermöglicht von nun an die Badische Landeskirche durch einen ständigen Beitrag die Aufrechterhaltung des Betriebes.

1928

Erhöhung der Plätze auf 23 und Einführung eines monatlichen Verpflegungsgeldes von 20 DM.

1937

Erhöhung der Plätze auf 30. Aufgrund des Verbotes aller studentischen Korporationen konstituiert sich die Evangelische Studentengemeinde. Der Studieninspektor des TSH wird mit der Studentenseelsorge betraut.
In der Zeit des NS-Regimes und der Gleichschaltung der Kirchen distanzieren sich Bewohner und Leitung des TSH von den sog. "Deutschen Christen". Obwohl die für den Betrieb dringend gebrauchte Kollekte davon abhängt, weigert sich das Kuratorium, den Leiter des Studienhauses gegen einen regimetreuen Nachfolger auszuwechseln.

1940

Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges werden fast alle Theologiestudenten eingezogen. Es blieben zwischen 2 und 7 Theologiestudenten. Die übrigen Plätze werden Studenten und erstmals Studentinnen anderer Fakultäten aus der Studentengemeinde zur Verfügung gestellt.

1945

In den ersten Jahren nach dem 2. Weltkrieg ist das Wohnen im TSH für viele Studierende eine entscheidende Hilfe, ihr Studium finanzieren zu können.

1965

"Der Berg rutscht" und mit ihm bewegt sich das Haus. Das belastet die Bausubstanz so sehr, dass das Haus wegen Baufälligkeit abgerissen werden muss.

1973

Nach sieben Jahren Verhandelns und Planens und nach 1 1/4 Jahren mit Bauarbeiten kann der Betrieb des TSH endlich wieder aufgenommen werden. Überall mit Balkonen versehen, passt sich das große Gebäude terassenförmig an den Berg an und bietet insgesamt 60 Studierenden Platz. Im Haus befinden sich eine Bibliothek, ein Seminarraum, drei größere Mehrzwecksäle, ein Speisesaal, eine Kapelle, eine Sauna, mehrere Teeküchen und Wohnzimmer.
Neben den Studierenden aller Fakultäten leben von nun an - jeweils im Sommersemester - die Kontaktpfarrerinnen und -pfarrer im Haus, die nach 7 Jahren Gemeindedienst die Gelegenheit erhalten, sich ein Semester als Gasthörer an der theologischen Fakultät einzuschreiben.

1979

Der Berg rutscht erneut. Einstellung des Betriebes, um den Bau gegen die Bewegung des Berges zu sichern.

1981

Wiederaufnahme des Betriebes.

1999

Eine neue Konzeption wird entworfen: Zukünftig sollen das TSH und das Predigerseminar Petersstift unter einem Dach im Morata-Haus, dem ehemaligen Petersstift, wohnen. Eine Verwaltungs- und Bewirtschaftungsgesellschaft soll den Wirtschaftsbetrieb der beiden Häuser übernehmen.

2000

Damit das Petersstift aus- und umgebaut werden kann, zieht das Predigerseminar um ins Theologische Studienhaus.

2002

Das Morata-Haus ist fertiggestellt und wird bezogen. Die neue Konzeption wird umgesetzt.


Quellen:

E. Köhnlein, G. Hauss, R. Kehr: Theologisches Studienhaus Heidelberg, 1917-1973, Seine Geschichte - sein geistiger Standort, Heidelberg 1973

Theologisches Studienhaus 1973-1983, Heidelberg 1983, hg. vom Vorstand des Vereins Theologisches Studienhaus e.V.